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Ein Klima Puzzle in vollem Gange, Foto: Climate Fresk Deutschland e. V.

Ein Workshop für alle – Interview mit Climate Fresk

Nach bereits einem Jahr der Kooperation mit Climate Fresk Deutschland e. V. bauen wir die Zusammenarbeit aktuell weiter aus. Unsere Projekte ergänzen sich in vielerlei Hinsicht sehr gut. In der Kombination aus Sensibilisierung und Wissen (Climate Fresk) und Handlungsimpulsen (KliX³) entsteht eine spannende Reise für Teilnehmende.
Laura hat mit Nicole Engelhardt von Climate Fresk unter anderem darüber gesprochen, wie das Format entstanden ist, worum es geht und wie Teilnehmende, auch emotional, darauf reagieren.

26.01.2026

Schön, dass das heute klappt, Nicole. Magst du dich einmal kurz vorstellen und erzählen, was du bei Climate Fresk machst?

Ja, klar. Mein Name ist Nicole Engelhardt. Ich arbeite im „normalen“ Leben als Prozessbegleiterin und Mediatorin. Ich komme ursprünglich aus dem Hochschulkontext und arbeite nach wie vor ganz viel mit Hochschulen zusammen. Dabei geht es unter anderem um klassische Kommunikationsthemen, aber auch viel in Richtung Zukunft und Transformation. Über diese Schleife komme ich jetzt auch zu meiner Rolle bei Climate Fresk. Dort bin ich seit September 2024 im Vorstand und für den Bildungsbereich zuständig. Das lag an der Stelle auch nahe, weil ich einfach sehr viele Hochschulkontakte habe und teilweise auch mit Schulen im Kontakt stehe.

Wenn jetzt jemand noch nie von Climate Fresk gehört hat, wie würdest du beschreiben, was ihr macht?

Wir bieten im Kern einen Workshop an, den wir Klima Puzzle nennen. Climate Fresk selbst ist die internationale Organisation.

Bei diesem dreistündigen Workshop geht es darum, dass wir den Menschen den Klimawandel und die Ursache-Wirkungs-Prinzipien so näherbringen, dass die Teilnehmenden das selbst zusammenstellen. Die Teilnehmenden müssen sozusagen puzzeln.

Dabei belassen wir es allerdings nicht. Uns ist es wichtig, dass wir darüber sprechen, was das eigentlich mit den Menschen macht, wenn sie diese Zusammenhänge sehen. Also neben der kognitiven Auseinandersetzung mit dem Thema, schauen wir auch, was das emotional macht, und überlegen, welche Handlungsoptionen jeder und jede Einzelne von uns hat.

Wenn ich das direkt aufgreifen darf, was macht das mit den Menschen? Was gibt es vielleicht für Aha-Momente? Was ist die Rückmeldung von den Teilnehmenden?

Es gibt tatsächlich sehr unterschiedliche Rückmeldungen. In der Mitte des Workshop-Formats gibt es immer einen Moment der Betroffenheit. Nämlich dann, wenn die Menschen merken, dass wir selbst dafür verantwortlich sind, was hier gerade passiert. Deswegen ist es uns auch wichtig, über diese Emotionen zu sprechen.
Ein Aha-Moment entsteht auch, wenn unterschiedliche Ideen ausgetauscht werden, wenn Menschen merken, dass sie selbstwirksam werden können, dass sie aktiv etwas in der Hand haben und dass sie damit nicht allein sind.
Dieses Gemeinschaftsgefühl ist es, was trägt und stärkt und mit dem man dann aus diesem Workshop rausgeht. Ich erlebe bei öffentlichen Workshops ganz häufig, dass die Menschen sich mit dem Thema und ihren Sorgen allein fühlen und dann rausgehen und merken: “Ah, es gibt ja doch mehr von uns”.

Findet euer Format vor Ort oder auch online statt?

Wir machen beides. Das ist durch die Pandemie entstanden, dass wir regelmäßig Online-Workshops anbieten. Und gleichzeitig haben wir sehr viele lokale Communities in Deutschland, wo regelmäßig Workshops angeboten werden. Sowohl online als auch vor Ort ist es methodisch der gleiche Workshop.

Ein Aspekt vom Klima Puzzle ist, dass man sich selbst die Wirkmechanismen erarbeitet. Darin liegt vielleicht schon mal ein Unterschied zu anderen Bildungsformaten. Gibt es denn noch etwas, wo du sagst: Da heben wir uns von anderen Formaten ab?

Ich finde es immer superschwer, weil ich glaube, es ist die gesamte Mischung, die es besonders macht. Das eine ist der spielerische Ansatz, dass wir das Thema gemeinsam erarbeiten und es Spaß machen soll. Auch wenn es diesen Moment der Betroffenheit gibt, ist unser Ziel, das Ganze positiv zu konnotieren. Das Klima Puzzle ist kollaborativ, super kurzweilig und gleichzeitig wissenschaftlich basiert. Ich glaube, genau diese Mischung macht es aus.

Kurz noch mal zu Climate Fresk: Das Format ist aus Frankreich und gibt es schon eine Weile, oder? Kannst du das vielleicht einmal einordnen?

Das Ganze ist 2015 von Cédric Ringenbach in Frankreich entwickelt worden. Er selbst ist Ingenieur und auch Hochschuldozent. Seine Ursprungsidee war, dass er den Bericht des Weltklimarates seinen Studierenden geben wollte, damit sie sich damit auseinandersetzen. Er hat festgestellt, dass das Dokument einfach zu schwer für die Studierenden ist und hat sich dann überlegt: Ich nehme die Grafiken aus dem IPCC -Bericht und gebe sie meinen Studierenden, die sollen dann die Grafiken in einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang legen.
Das war die Ursprungsidee vor gut zehn Jahren und 2018 ist dann in Frankreich die NGO gegründet worden. Ein großer Schwerpunkt liegt weiterhin in Frankreich, aber wir sind weltweit vertreten und seit 2024 haben wir auch einen Verein in Deutschland.

Nicole Engelhardt, Vorstand Climate Fresk Deutschland e. V., Foto: privat

Gibt es etwas, was dich selbst besonders begeistert an Climate Fresk oder vielleicht auch etwas, was du immer wieder schön findest?

Ich bin immer wieder begeistert davon, wie kurzweilig der Workshop ist. Gerade öffentliche Workshops sind oft abends. Das heißt, man ist vielleicht schon von der Arbeit erschöpft und dann noch mal drei Stunden durchziehen, das klingt immer hart. Dann zu merken, dass die Zeit, auch für die Teilnehmenden, total schnell vorbei geht und sie für sich etwas mitnehmen, begeistert mich immer wieder.

Damit komme ich schon zu dem zweiten Faktor, der mich immer wieder begeistert: Ich arbeite mit sehr unterschiedlichen Zielgruppen, von Professor:innen, die teilweise aus entsprechenden Fächern kommen, bis hin zur Öffentlichkeit. Das sind auch häufig Menschen, die sich im Klimaschutz engagieren. Das heißt, ich begegne vielen Menschen, die durchaus auch Vorwissen mitbringen. Ich finde es immer wieder beeindruckend, dass selbst die Teilnehmenden viel mitnehmen und die anderen natürlich noch mehr.

Ich habe noch eine letzte Frage. Du darfst das auf Climate Fresk beziehen, du darfst das auch gerne allgemein beantworten. Wann fühlst du dich besonders wirksam?

Besonders wirksam fühle ich mich, wenn ich den Eindruck habe, ich gebe einen Impuls, der aufgenommen wird und andere Menschen tragen ihn weiter, machen etwas damit, werden aktiv.
Das kann man auf Climate Fresk beziehen, aber das kann ich auch auf ganz viele andere Sachen aus meinem Leben beziehen. Wenn ich merke, ich erreiche Menschen und sie können das gut integrieren, annehmen und damit selbst etwas in ihrem eigenen Wirkungskontext machen, dann finde ich das super.

Dann habe ich doch noch eine allerletzte Frage. Gibt es noch etwas, was du gerne zu eurer Arbeit sagen möchtest? Vielleicht auch etwas, was wir bisher gar nicht thematisiert haben?

Ich überlege gerade, weil ich viel aus meiner Rolle heraus über Hochschulen und Bildung gesprochen habe. Ich glaube, was wichtig ist, dass das Klima Puzzle ein Workshop für alle ist. Also nicht nur für diejenigen, die sich schon mit dem Thema auseinandergesetzt haben, nicht nur für Menschen, die in Schulen oder Hochschulen arbeiten oder dort studieren, sondern wirklich für alle Menschen.

Vielen Dank für die Einblicke in Climate Fresk und für deine Zeit!